Galactose

Galactose ist ein Einfachzucker (Monosaccharid), der chemisch eng mit Glucose (Traubenzucker) verwand ist. Beide unterscheiden sich nur in einem kleinen Detail: eine Hydroxylgruppe (OH-Gruppe) ist seitenverkehrt. Doch dieser kleine Unterschied sorgt dafür, das Galactose im Gegensatz zu Glucose unabhängig vom Hormon Insulin verwertet wird, was den Zucker für eine Reihe von Gesundheitsproblemen wie Übergewicht, Diabetes oder Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten besonders interessant macht. Galactose gelangt entlang eines Konzentrationsgefälles in die Zellen. Ist Galactose in ausreichend hohen Mengen im Blut vorhanden, dringt es einfach durch eine permanent geöffnete Schleuse (GLUT-3-Transporter) in die Zellen ein und wird dort zu Glucose und bei Bedarf weiter zu Energie umgewandelt.

Galactose ist somit eine wertvolle und Insulin-unabhängige Energiequelle für das Gehirn und unterstützt so u.a. die Konzentrationsfähigkeit sowie die Gedächtnisleistung. Galactose kann zudem zur Bildung von Aminosäuren (Eiweißbausteine) genutzt werden und „entsorgt“ hierbei gleichzeitig giftige Ammoniumionen1.

Neben der Funktion als Energiequelle ist Galactose ein essenzieller Bestandteil von Glycoproteinen (Eiweiße mit Zuckerbestandteil) sowie von Glycolipiden (Lipide mit Zuckerbestandteil) und ermöglicht in dieser Form u.a. den Informationsaustausch zwischen benachbarten Zellen. Derartige Glycoproteine und -lipide spielen beispielsweise eine wichtige Rolle für das Wachstum und die Funktion unserer Nervenzellen. Galactose-haltigen Glycoproteinen in den Schleimhäuten von Nase, Mund oder Magen verdankt der Zucker übrigens auch seinen wenig wohlklingenden umgangssprachlichen Namen „Schleimzucker“.

Ist Galactose natürlich?

Galactose ist ein natürlicher Zucker, der nicht nur als Zellbaustein in unserem Körper sondern auch in unserer Nahrung vorkommt. Neben Glucose ist Galactose ein natürlicher Baustein des Milchzuckers (Lactose), den wir bereits als Säugling über die Muttermilch aufnehmen. Auch Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch sowie daraus hergestellte Milchprodukte enthalten Lactose. Menschen ohne Lactoseintoleranz können Milchzucker auch im Erwachsenenalter noch verdauen und dessen Bausteine Galactose und Glucose aufnehmen.

Daneben ist Galactose Bestandteil verschiedener Mehrfachzucker in Pflanzen wie Hülsenfrüchte, Soja und Zuckerrüben. Freie Galactose kommt in der Natur hingegen nur selten vor. Sauermilchprodukte wie Joghurt und Kefir können aufgrund des Fermentationsprozess bereits freigesetzte Galactose enthalten.

Schadet Galactose meinen Zähnen?

Galactose ist ein zahnschonender Zucker, der die Plaguebildung auf den Zähnen reduziert. Galactose blockiert Andockstellen (Rezeptoren) auf der Zahnoberfläche und minimiert damit das Anheften von kariesfördernden Bakterien2.

Belastet Galactose meinen Blutzuckerspiegel?

Galactose wirkt sich nur geringfügig auf den Blutzuckerspiegel aus. Mit einem glykämischen Index von 20 entspricht die blutzuckersteigernde Wirkung gerade einmal 20% des Effekts von Glucose (Traubenzucker).

Kann ich als Diabetiker Galactose verwenden?

Galactose bietet gerade für Diabetiker eine gute Zuckeralternative, die auch von vielen Diabetologen empfohlen wird. Bereits in den 30er Jahren, als noch wenige Therapiemöglichkeiten zur Verfügung standen, behandelten Ärzte der Berliner Charité Diabetespatienten erfolgreich mit Galactose als Zuckerersatz3. Seit dem hat sich Galactose in der Diabetes-Therapie vielfach bewährt.
Ein großes Problem beim Typ-2-Diabetes (Altersdiabetes) ist die Insulinresistenz der Zellen. Das Hormon Insulin wirkt normalerweise wie ein Schlüssel, der für Glucose die Tür in die Muskel- und Fettzellen öffnet. Glucose kann zur Energiegewinnung in die Zellen einströmen, wodurch der Blutzuckerspiegel sinkt. Reagieren diese Zellen nicht mehr ausreichend auf das Insulinsignal, wie im Falle eines Typ-2-Diabetes, verbleibt Glucose im Blut und der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft erhöht. Gleichzeitig verarmen die Zellen trotz hohem Zuckerangebot im Blut an Energie und müssen ihren Energiebedarf großflächig durch den Abbau von Fett decken. Dabei reichern sich sogenannte Ketonkörper an, die zu einer Ketoacidose und im schlimmsten Fall zu einem bei Diabetes gefürchteten ketoacidotischen Koma führen.

Galactose bietet den Vorteil, dass diese insulinunabhängig in die Zellen gelangt. Der Blutzuckerspiegel bleibt weitgehend ausgeglichen und die Zellen werden weiterhin mit Energie aus Zucker versorgt. Gleichzeitig trägt Galactose nicht zur Freisetzung von weiterem Insulinhormon bei und schont damit die Bauchspeicheldrüse.

Warum wird Galactose auch Gehirnzucker genannt?

Galactose stellt für die Gehirn- bzw. Nervenzellen aufgrund der Insulin-unabhängigen Aufnahme und Verwertung eine vorteilhafte Energiequelle dar.

Ähnlich wie bei den Muskelzellen können auch Gehirnzellen von einer Insulinresistenz betroffen sein. Hierbei sind die Insulinrezeptoren, also die Antennen auf der Zelloberfläche, die das Insulinsignal empfangen, gestört und leiten das Signal zur Glucoseaufnahme kaum noch in die Zelle weiter. Der Glucoseeinstorm in die Gehirnzellen ist unterdrückt und das Gehirn leidet unter einem Energiemangel. Das kann zu Konzentrationsschwächen und Gedächtnisschwierigkeiten aber auch zu ernsthaften Demenzerscheinungen wie Morbus Alzheimer beitragen4 5.

Galactose kann auch bei einer bestehenden Insulinresistenz von den Gehirn- und Nervenzellen aufgenommen und für die Energiegewinnung genutzt werden. Das sichert die Energieversorgung und beugt Einbußen bei der Konzentrations-, Koordinations- und Gedächtnisleistung vor. Gleichzeitig führt der Genuss von Galactose nur zu einer geringen Insulinfreisetzung und trägt somit kaum zu einer weiteren Verschlechterung der Insulinresistenz bei.

Ist Galactose auch bei Lactoseintoleranz, Fructoseunverträglichkeit oder Zöliakie geeignet?

Galactose ist auch für Menschen mit Lactoseintoleranz, Fructoseunverträglichkeit oder Zöliakie bestens geeignet. Da diese bereits als freier Einzelzucker vorliegt, kann der Körper sie direkt und ohne vorherige Verdauung aufnehmen. Gerade für Menschen mit Lactoseintoleranz, die aufgrund eines Mangels an Lactaseenzym Galactose schlecht aus Milchzucker nutzen können, stellt freie Galactose eine gut verwertbare Quelle dar. Da der Einfachzucker zudem über ähnliche Transportwege wie Glucose in den Körper aufgenommen wird, ist Galactose ebenso leicht bekömmlich wie herkömmlicher Traubenzucker.

Wirkt Galactose abführend, wenn ich diese in größeren Mengen konsumiere?

Galactose wird nahezu vollständig vom Körper aufgenommen und wirkt in herkömmlichen Mengen genossen nicht abführend. Ein Verzehr in unüblich hohen Zuckermengen ist auch bei Galactose nicht zu empfehlen.

Wie viel Kalorien enthält Galactose?

Galactose liefert wie die meisten Zucker 4 Kilokalorien pro Gramm.

Trägt Galactose zu Übergewicht bei?

Galactose liefert zwar genauso viele Kalorien wie die meisten anderen Zuckerarten, bietet jedoch einen entscheidenden Vorteil. Da der Zucker den Blutzuckerspiegel kaum steigen lässt und für die Verwertung kein Insulin benötigt, bleibt die Insulinfreisetzung nach dem Genuss von Galactose minimal. Hierdurch kommt der Fettabbau-hemmende bzw. fettspeichernde Effekt des Insulins kaum zum Tragen. In Studien wiesen übergewichtige Frauen, die täglich einen Galactose-haltigen Drink zu sich nahmen, eine höhere Fettmobilisierung und Fettverbrennung auf, als Frauen, die einen Glucose-haltigen Drink tranken6. Galactose ist somit auch im Rahmen einer abwechslungsreichen, gesunden Ernährung geeignet, sein Gewicht zu halten.

Schmeckt Galactose genauso süß wie Haushaltszucker?

Galactose weist einen dezenten, natürlichen Süßgeschmack auf, der etwa vergleichbar mit dem Geschmack von Traubenzucker ist. Im Vergleich zu herkömmlichen Haushaltszucker (Saccharose: Süßkraft = 100%) liegt ihre Süßkraft bei etwa bei 45-60 %.

Was bedeutet D-Galactose?

Galactose kann chemisch betrachtet in zwei verschiedenen Formen (D- und L-Galactose) vorkommen, wobei die im Produkt von intelligent sugar enthaltene D-Galactose die in der Natur vorkommende Variante ist. Man kann sich den Zucker als eine Kette von 6 Kohlenstoffatomen vorstellen, an denen jeweils links und rechts weiter Atomgruppen hängen. Die natürliche D-Galactose unterscheidet sich von der künstlichen L-Galactose lediglich darin, dass die Atomgruppen an den mittleren 4 Kohlenstoffatomen spiegelverkehrt angeordnet sind.

Wann darf ich Galactose nicht verwenden?

Als natürlicher Bestandteil des Milchzuckers ist der Genuss von Galactose für den überwiegenden Teil der Bevölkerung unbedenklich. Lediglich für Menschen mit einer Galactosämie ist Galactose ungeeignet, da der Zucker aufgrund eines angeborenen Enzymdefekts im Körper nicht verwertet werden kann. Diese Stoffwechselstörung tritt jedoch sehr seltenen auf und wird bereits kurz nach der Geburt im Rahmen des üblichen Neugeborenenscreenings ausgeschlossen.


Quellen

  1. Roser, Martin et al. (2009): Metabolism of galactose in the brain and liver of rats and its conversion into glutamate and other amino acids. J Neural Transm (Vienna) 116 (2): 131–139.
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  2. Lembke, A.; Pause, B. (1989): Uber die kariostatische Wirksamkeit von D(+)-Galaktose. Z Stomatol 86 (4): 179–189.
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  3. Kosterlitz, H.; Wedler, H. W. (1933): Untersuchungen über die Verwertung der Galaktose in physiologischen und pathologischen Zuständen. Z. Ges. Exp. Med. 87 (1): 397–404.
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  4. Dineley, Kelly T.; Jahrling, Jordan B.; Denner, Larry (2014): Insulin resistance in Alzheimer’s disease. Neu-robiol Dis 72 Pt A: 92–103.
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  5. Ma, Lina; Wang, Jieyu; Li, Yun (2015): Insulin resistance and cognitive dysfunction. Clin Chim Acta 444: 18–23.
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  6. Mohammad, Mahmoud A. et al. (2011): Galactose promotes fat mobilization in obese lactating and nonlac-tating women. Am J Clin Nutr 93 (2): 374–381.
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