Hyperurikämie und Gicht

Erhöhte Harnsäurewerte (Hyperurikämie) sind in vielen Fällen erblich bedingt. Doch ob sich hieraus eine schmerzhafte Gicht entwickelt, entscheidet in der Regel der Lebensstil. Neben purinreichen tierischen Lebensmitteln und Alkohol spielen dabei auch hoch-glykämische Kohlenhydratquellen und insbesondere Fruchtzucker eine Rolle.

Harnsäure entsteht im Körper bei der Entsorgung von Purinen, die entweder aus unserem Essen stammen und beim Abbau von Purinnukelotiden anfallen. Die wichtigsten Purine im Körper sind Adenin und Guanin, die als Bestandteile der Purinnukleotide für den Aufbau der Erbsubstanz DNA als auch für Energieträger wie ATP (Adenosintriphosphat) und GTP (Guanosintriphosphat) bedeutsam sind. Folglich fallen Purine im Körper vor allem beim Absterben von Zellen und Abbau von DNA (wie es z.B. bei Krebstherapien in höherem Maße geschieht) sowie bei einem hohen Energieumsatz mit Verbrauch von ATP an.

Welche Rolle spielen Zucker bei Hyperurikämie und Gicht?

Neben purinreichem Fleisch und Fisch, Alkohol sowie Übergewicht trägt auch eine fructosereiche Ernährung zu erhöhten Harnsäurewerten und damit zu einem erhöhten Gicht-Risiko bei. Ursprünglich waren die einzigen relevanten Fruchtzuckerquellen in der menschlichen Kost Früchte, Gemüse und Honig, die für den Körper eine überschaubare Menge Fructose lieferten. Mit modernen Lebensmitteln wie Fruchtsaft, Smoothies, Haushaltszucker, gezuckerte Produkte wie Getränke, Süßigkeiten, Fruchtjoghurt, Fertigsoßen oder auch Produkte mit Glucose-Fructose-Sirup wie Eis- und Dessertcreme ist die Fructoseaufnahme heute deutlich erhöht. Das Problem dabei: Anders als die Glucose (Traubenzucker), die vom Darm aus die Leber erreicht und zur Weiterverwertung an die anderen Körpergewebe weitergereicht wird, findet der Abbau von Fructose vorwiegend im Lebergewebe statt. Je mehr Fruchtzucker die Leber erreicht, umso mehr muss diese abbauen. Dabei verbraucht sie Energie in Form des Energieträgers ATP, wobei Purine anfallen, die weiter zu Harnsäure abgebaut werden. Dieser Harnsäure-steigernde Stoffwechselweg wird bereits bei Mengen unterhalb von 0,5 g Fructose pro kg Körpergewicht ausgelöst 1. Bei einem durchschnittlichen Menschen wären das etwa 35 g, die Menge Fruchtzucker, die z.B. allein in 3 großen Gläsern Orangensaft enthalten sind. Insbesondere bei Kindern, mit ihrem geringeren Gewicht, kann die Vorliebe zu zuckerreiche Produkten, zu einer problematisch hohen Zucker- und damit auch Fruchtzuckeraufnahme beitragen.

Ein weiterer Faktor könnte die Tatsache sein, dass Insulin offenbar die Harnsäureausscheidung über die Nieren hemmt 2. Hoch-glykämische Kohlenhydratquellen begünstigen eine hohe Insulinausschüttung und könnten auch hierüber zu erhöhten Harnsäurespiegeln beitragen.

Welchen Beitrag können intelligente Zucker bei Hyperurikämie und Gicht leisten?

Mit Ausnahme von Isomaltulose enthalten intelligente Zucker keine Fructose und tragen somit nicht zu einer erhöhten Fruchtzuckeraufnahme bei. Gleichzeitig führt der Genuss von intelligenten Zuckern wenn überhaupt nur zu einer mäßigen Insulinfreisetzung.

Galactose wird langsam resorbiert, in der Leber in Glucose umgewandelt oder für den Aufbau von Zuckerspeichern (Glykogen) genutzt. Zudem sorgt die Insulin-unabhängige Aufnahme z.B. in Gehirn- und Muskelzellen zu einer gleichmäßigen Verteilung im Körper. Bislang gibt es keine Hinweise, dass eine erhöhte Galactoseaufnahme die Harnsäurewerte erhöht.

Tagatose wird zwar ähnliche wie Fructose im Körper verwertet, jedoch gelangen aufgrund der mäßigen Resorptionsrate wesentlich geringere Mengen bis in die Leber. Diabetiker, die über mehrere Wochen zu den Mahlzeiten 25 g Tagatose (etwa 5 Teelöffel) einnahmen, zweigten zwar nach dem Essen einen kurzzeitigen leichten Harnsäureanstieg. Dieser erreichte allerdings keine klinisch relevante Höhe. Über die Testwochen insgesamt betrachtet, änderte sich der Harnsäurespiegel jedoch nicht, so dass Tagatose mit ihrer hohen Süßkraft eine interessante Süßungsalternative zu Haushaltszucker darstellt 3.

Trehalose ist eine reine Glucosequelle, deren beiden Glucosebausteine von der Leber über den Blutkreislauf an die anderen Körpergewebe weiterverteilt werden. Diese tragen somit nicht zu einer erhöhten Harnsäurebildung in der Leber bei. Im Vergleich zu reiner Glucose ist die Insulinfreisetzung nach dem Genuss von Trehalose jedoch deutlich geringer 4.

Erythritol wird vom Körper unverändert wieder ausgeschieden und trägt somit weder zur Harnsäurebildung noch zu einer Insulinfreisetzung bei. Besonders in Kombination mit Stevia, z.B. in Erythritol-Stevia, ist Erythritol folglich eine ideale Süßungsalternative zu Haushaltszucker.


Quellen

  1. Segal, M. S.; Gollub, E.; Johnson, R. J. (2007): Is the fructose index more relevant with regards to cardiovascular disease than the glycemic index? Eur J Nutr 46 (7): 406–417.
    [Link zum Abstract]
  2. Quinones, Galvan A. et al. (1995): Effect of insulin on uric acid excretion in humans. Am J Physiol 268 (1 Pt 1)E1-5.
    [Link zum Abstract]
  3. Saunders, J. P. et al. (1999): Effects of acute and repeated oral doses of D-tagatose on plasma uric acid in normal and diabetic humans. Regul Toxicol Pharmacol 29 (2 Pt 2)S57-65.
    [Link zum Abstract]
  4. van Can, J. G. et al. (2012): Reduced glycaemic and insulinaemic responses following trehalose and isomaltulose ingestion: implications for postprandial substrate use in impaired glucose-tolerant subjects. Br J Nutr 108 (7): 1210–1217.
    [Link zum Abstract]