Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Lactoseintoleranz und Fructoseintoleranz

Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Fructose- udn Lactoseintoleranz belasten immer mehr Menschen. Durch den breiten Einsatz von Zuckern in der Lebensmittelindustrie und den zunehmend hohen Konsum von Zuckern kommen Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Zuckerarten zunehmend zum Tragen. Besonders der Milchzucker Lactose und der Fruchtzucker Fructose können bei Betroffenen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit unangenehme bis quälende Magen-Darm-Beschwerden verursachen.

Lactoseintoleranz

Lactoseintoleranz beschreibt das Unvermögen, aufgrund eines Enzymmangels Milchzucker (Lactose) ausreichend zu verdauen. Lactose ist ein Zweifachzucker, der aus Glucose (Traubenzucker) und Galactose zusammengesetzt ist und von Natur aus nur in der Milch von Säugetieren wie auch in der Muttermilch vorkommt. Um den Zucker verwerten zu können, bedarf es eines speziellen Verdauungsenzyms, der Lactase, die den Zweifachzucker in seine Bestandteile zerteilt. Da Milch als Nahrungsquelle von der Natur nur für die ersten Lebensjahre vorgesehen war, nimmt die Lactaseaktivität natürlicherweise ab dem 5-6. Lebensjahr ab.

Lactoseintoleranz im Jugend- und Erwachsenenalter ist daher eigentlich der Normalzustand.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte begannen Menschen in kühleren Regionen wie Mittel- und Nordeuropa zunehmen die Milch von Kühen, Ziegen und Schafe als Nahrungsquelle zu nutzen, so dass sich eine Bevölkerung entwickelte, die auch im Erwachsenenalter noch über eine ausreichend hohe Enzymaktivität verfügt. In mitteleuropäischen Ländern oder Nordamerika ist daher nur etwa jeder zehnte Bewohner lactoseintolerant. In mediterranen Gebieten, in Afrika, Südamerika sowie in Süd- und Südostasien verträgt der überwiegende Teil der Bevölkerung jedoch keine Milch. Weltweit betrachtet sind etwa 3 von 4 Menschen lactoseintolerant, was die Tatsache unterstreicht, dass es sich hierbei um keine Krankheit handelt.

Neben der natürlichen Abnahme der Enzymaktivität können aber auch Erkrankungen des Darmes zu einer (teilweise vorrübergehenden) Lactoseintoleranz führen. Entzündungen in der Darmschleimhaut wie etwa bei Zöliakie, chronischen Darmerkrankungen oder einer Gastroenteritis stören die Bildung des Lactaseenzyms und damit die Verwertung von Milchzucker. Oft geht eine solche sekundäre Lactoseintoleranz jedoch wieder weg, wenn die Grunderkrankung ausreichend behandelt wird.

Was passiert bei einer Lactoseintoleranz?

Da Lactose im Dünndarm nicht ausreichend gespalten und resorbiert wird, gelangt diese unverdaut weiter in den Dickdarm. Hier verwerten die dort ansässigen Darmbakterien den Milchzucker und bilden hieraus Gase und organische Säuren. Eines dieser Gase, der Wasserstoff, kann über die Ausatemluft ermittelt und zur Diagnose einer Lactoseintoleranz bestimmt werden (Wasserstoffatemtest). Aufgrund der bakteriellen Abbauprodukte und die starke Wasserbindung des Zuckers leiden Betroffene nach dem Genuss von Milch und wenig gereiften Milchprodukten wie Sahne, Frischkäse oder Quark meist unter Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall.

Abhilfe verschafft lediglich das Meiden größerer Lactosemengen z.B. durch Verzicht auf Milch, Sahne, Schmand, milden Joghurt oder Kondensmilch. Die meisten vertragen milchsauer vergorene, fettreichere Milchprodukte wie griechischen Joghurt, Doppelrahmquark, Ricotta oder länger gereifte Produkte wie Mozzarella, Feta und Hartkäse in kleinen Mengen noch gut. Diese enthalten aufgrund des Fermentationsprozesses nur noch geringe Mengen Lactose. Doch gerade Betroffene, bei denen mehrere Darmleiden zusammenkommen, reagieren auch auf solch kleine Mengen empfindlich und können Milchprodukte kaum verwenden.

Welchen Beitrag leisten intelligente Zucker?

Lactoseintoleranz ist keine Krankheit, die geheilt werden kann, sondern ist lediglich eine individuell verschiedene Fähigkeit zur Verwertung von Milchzucker. Menschen mit einer geringen Toleranz sind daher auf eine geringe Lactoseaufnahme angewiesen, um Beschwerden vorzubeugen. Die intelligenten Zucker Galactose, Isomaltulose, Tagatose, Trehalose sowie der Zuckeraustauschstoff Erythritol sind allesamt lactosefrei und damit im Rahmen einer lactosearmen Ernährung geeignet.

Besonders Galactose bietet lactoseintoleranten Menschen eine gute Möglichkeit den Zucker in seiner reinen Form aufzunehmen, ohne Lactose konsumieren zu müssen. Da Galactose in der Natur vorwiegend in Milchzucker gebunden und kaum frei vorkommt, stellen Milchprodukte normalerweise die einzige nennenswerte Quelle dar. Lactoseintolerante Menschen können diese jedoch nicht ausreichend nutzen. Mit Galactose in reiner Form können die positiven Eigenschaften des Zuckers genutzt werden, ohne hierfür Lactose konsumieren zu müssen.

Isomaltulose ist eine Glucose- und Fructosequelle und aufgrund der vollständigen Resorption im Dünndarm auch für Lactoseintolerante eine gut verträgliche, zahnfreundliche und niedrig-glykämische Energiequelle. Vorsicht ist lediglich geboten, wenn neben der Lactoseintoleranz auch eine Unverträglichkeit gegenüber Fructose vorliegt.

Trehalose ist eine reine Glucosequelle und für Lactoseintolerante somit gut verträglich. Trehalose eignet sich – besonders in Kombination mit Isomaltulose und/ oder Galactose – als Energiequelle im Sport.

Tagatose und Erythritol bieten auch Menschen mit Lactoseintoleranz eine natürliche, kalorienarme Süßungsalternative ohne Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel. Bereitet die Lactoseintoleranz aufgrund einer angepassten lactosearmen Ernährungsweise keine Probleme, sind beide Zuckerarten gut verträglich. Vorsicht ist lediglich geboten, wenn aktuell Symptome bestehen bzw. diese durch eine Ernährungstherapie noch nicht gänzlich abgeklungen sind. In diesem Fall könnte die Zufuhr von Tagatose bzw. Erythritol in höheren Mengen die Beschwerden noch verstärken. Beschwerden wie Durchfall können die Resorption beider Zuckerarten unter Umständen weiter reduzieren, so dass diese in höheren Mengen in den Dickdarm gelangen. Die Verwendung von Tagatose und Erythritol empfiehlt sich daher nur bei Beschwerdefreiheit.

Fructoseunverträglichkeit

Fructoseunverträglichkeit ist das Unvermögen, Fruchtzucker (Fructose) ausreichend zu verwerten, so dass der Genuss von fructosehaltigen Lebensmitteln wie Obst oder süßlichem Gemüse zu Gesundheitsproblemen führt. In den meisten Fällen von Fructoseunverträglichkeit handelt es sich um eine intestinale Fructoseintoleranz, bei der die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, aufgenommenen Fruchtzucker ausreichend zu resorbieren. Diese Form tritt meist erst ab dem Jugend- oder Erwachsenenalter auf.

In sehr seltenen Fällen kann bereits von Geburt an ein Enzymdefekt im Fructosestoffwechsel vorliegen, der zur sogenannten hereditären Fructoseintoleranz führt. Betroffene können Fruchtzucker im Darm zwar resorbieren, diesen aber in den Körperzellen nicht verwerten. Aufgenommene Fructose reichert sich so an und schädigt im Laufe der Zeit Organgewebe. Wer unter einer hereditären Form der Fructoseunverträglichkeit leidet, ist daher sein Leben lang auf eine strikte fructosefreie Diät angewiesen.

Was passiert bei einer intestinalen Fructoseintoleranz?

Fruchtzucker ist ein Einfachzucker, der aus dem Darminneren über eine spezielle Schleuse, den GLUT 5-Transporter, in die Darmwandzellen gelangt. Je nachdem wie aktiv und wie verbreitet dieser Transporter in der Darmwand ist, umso mehr oder weniger große Mengen Fructose kann dieser durchschleusen. Menschen mit einer geringen Verteilung bzw. mit einer geringen Aktivität von GLUT 5 können größere Mengen Fructose weniger gut resorbieren. Ein Teil des Fruchtzuckers gelangt so weiter in den Dickdarm und wird hier von den dort ansässigen Darmbakterien verwertet. Hierbei entstehen Gase und organische Säuren, die zusammen mit der guten Wasserbindungsfähigkeit des Zuckers zu Beschwerden wir Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfällen führen. Eines dieser Gase, der Wasserstoff, kann über die Ausatemluft ermittelt und zur Diagnose einer intestinalen Fructoseintoleranz bestimmt werden (Wasserstoffatemtest).

Welchen Beitrag leisten intelligente Zucker?

Intestinale Fructoseintoleranz

Ein großes Problem für Betroffene ist der überschwängliche Gebrauch von Fruktosequellen wie Fruchtzucker, Kristallzucker, Glucose-Fructose-Sirup oder Invertzuckersirup in vielen Lebensmittelprodukten. Während der Körper mit natürlich vorkommenden Fructosemengen aus Früchten, Gemüse und geringen Mengen Honig noch gut zurechtkommt, ist der Darm von Menschen mit geringer Fructoseresorptionsfähigkeit mit der zusätzlichen hohen Flut an fructosehaltigen Süßungsmitteln schlicht überfordert. Um Beschwerdefreiheit zu erlangen, sind Menschen mit intestinaler Fructoseintoleranz auf eine fructosearme Ernährung angewiesen, in der neben fructosereichen Obstsorten vor allem die Zufuhr an Saccharose (Haushalts- bzw. Kristallzucker) sowie von zugesetztem Fruchtzucker stark eingeschränkt werden sollte. Die intelligenten Zucker Galactose, Tagatose, Trehalose, Ribose und Erythritol sind fructosefrei und im Rahmen einer fruchtzuckerarmen Ernährung als Süßungsmittel geeignet.

Galactose und Trehalose können auch von Menschen mit Fructoseunverträglichkeit problemlos resorbiert und als natürliche Zuckerquelle genutzt werden.
Ähnlich wie Glucose (Traubenzucker) kann auch Galactose die Verträglichkeit von fructosehaltigen Speisen verbessern, indem diese die Fructoseresorption steigert 1. So kann Galactose z. B. über Zitrusfrüchte und Kiwis gestreut oder in Desserts mit Himbeeren eingerührt werden. Da Galactose im Vergleich zu Glucose den Blutzucker- und Insulinspiegel nur wenig belastet, stellt diese eine gute Alternative für diejenigen dar, die zur besseren Verträglichkeit ihre fructosehaltigen Speisen bisher mit Traubenzucker süßten.

Als reine Glucosequelle ist Trehalose eine gut verträgliche, vollständig resorbierbare Zuckerquelle, die den Blutzucker- und Insulinspiegel weit weniger belastet als reine Glucose. Trehalose eignet sich u.a. – besonders in Kombination mit Galactose – als Energiequelle im Sport.

Tagatose ist in herkömmlichen Mengen (1-2 Teelöffel pro Mahlzeit) gut verträglich und kann durch die hohe Süßkraft als natürliche Süßungsalternative anstelle des fructosehaltigen Haushaltszuckers verwendet werden. Da Tagatose trotz der strukturellen Ähnlichkeit zu Fructose über andere Wege (passive Diffusion) im Darm aufgenommen wird, hat diese keinen Einfluss auf die Fructoseaufnahme. So kann Tagatose z. B. zum Süßen von Kaffee, Tee, Desserts oder Backwaren verwendet werden.

Vorsicht ist lediglich geboten, wenn aktuell Beschwerden bestehen bzw. trotz einer fructosearmen Ernährungsweise noch nicht gänzlich abgeklungen sind. In diesem Fall könnte die Zufuhr von Tagatose in höheren Mengen die Symptome noch verstärken. Beschwerden wie Durchfall können die Resorption des Zuckers weiter reduzieren, so dass dieser in höheren Mengen in den Dickdarm gelangen. Gerade bei stark ausgeprägter Fructoseunverträglichkeit, bei der möglicherweise noch andere Darmleiden vorliegen, empfiehlt es sich, die individuelle Verträglichkeit von Tagatose durch anfänglich kleine Mengen zu testen.

Erythritol sowie Erythritol-Stevia sind eine kalorienfreie, natürliche Süßungsalternative ohne Fructose. In herkömmlichen Mengen genossen wird Erythritol nahezu vollständig im Dünndarm resorbiert und kaum im Dickdarm fermentiert. Erythritol sowie Erythritol-Stevia sind somit auch bei einer Fructoseintoleranz geeignet. Besonders Erythritol-Stevia eignet sich durch die vergleichbare Süßkraft als Ersatz von Haushaltszucker in vielen Speisen, Getränke und Rezepten.

Es gibt jedoch Hinweise, dass Erythritol bei gleichzeitigem Konsum von Fructose die Aufnahmefähigkeit des Fruchtzuckers weiter beeinträchtigt 2. Erythritol bzw. Erythritol-Stevia sollten daher möglichst nicht zusammen mit Früchten verzehrt oder mit fructosehaltigen Zuckern wie Saccharose bzw. Isomaltulose verwendet werden.

Hereditäre Fructoseintoleranz

Die intelligenten Zucker Galactose, Trehalose, Ribose und Erythritol sind bei einer hereditären Fructoseintoleranz unbedenklich. Galactose, Trehalose und Erythritol eignen sich gut als alternative Zuckerquellen und können z. B. zum leichten Süßen von Getränken, Desserts oder Backwaren verwendet werden. Erythritol-Stevia eignet sich besonders als natürlicher Süßungsersatz, um in Rezepten eine mit Haushaltszucker vergleichbare, aber fructosefreie Süße zu erreichen. Erythritol-Stevia kann dabei 1:1 gegen Zucker eingetauscht werden.

Wichtiger Hinweis: Menschen mit einem Enzymdefekt im Fructosestoffwechsel dürfen weder Isomaltulose noch Tagatose verwenden. Isomaltulose ist ähnlich wie Haushaltszucker eine Fructosequelle. Tagatose wird im Körper über ähnliche Stoffwechselwege wie Fructose verwertet, so dass auch diese bei einem Enzymdefekt nicht abgebaut werden kann. Folglich würde sich diese wie Fructose im Gewebe anreichern und Organe schädigen.


Quellen

  1. Gibson, P. R. et al. (2007): Review article: fructose malabsorption and the bigger picture. Aliment Pharmacol Ther 25 (4): 349–363.
    [Link zum Abstract]
  2. Kim, Yeonsoo et al. (2011): Combination of erythritol and fructose increases gastrointestinal symptoms in healthy adults. Nutr Res 31 (11): 836–841.
    [Link zum Abstract]