Schwangerschaftsdiabetes

Tritt eine Zuckerkrankheit erstmals während der Schwangerschaft auf, handelt es sich meist um einen sogenannten Schwangerschaftsdiabetes (auch Gestationsdiabetes oder Diabetes mellitus Typ 4 genannt). Der gestörte Zuckerstoffwechsel belastet nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern kann unbehandelt auch weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben. In den meisten Fällen bildet sich diese Diabetesform nach der Schwangerschaft wieder zurück. Dennoch bleibt für Mutter und Kind ein erhöhtes Risiko zurück, in späteren Jahren an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Ein Schwangerschaftsdiabetes kann sich infolge der hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft entwickeln. Besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte, wenn der Energiebedarf des Fötus zunehmend wächst, verändern Hormone den Zuckerstoffwechsel 1. So fördert Cortisol beispielsweise die Glucoseneubildung, Progesteron modifiziert die Insulinsekretion in der Bauchspeicheldrüse und humanes Plazentalaktogen erhöht die Insulinresistenz der mütterlichen Zellen. Dies alles führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel der Mutter steigt und dem Fötus mehr Zucker über die Plazenta zugeführt wird 2.

Normalerweise sollte die Bauchspeicheldrüse durch vermehrte Insulinsekretion die hormonbedingte Insulinresistenz und den erhöhten Blutzuckerspiegel im Rahmen halten. Kann sie das nicht ausreichend, entwickelt sich meist gegen Ende des zweiten Trimesters ein Schwangerschaftsdiabetes 3.

Was passiert bei einem Schwangerschaftsdiabetes im Körper?

Ähnlich wie bei einem Typ-2-Diabetes reagieren die Zellen nicht mehr ausreichend auf das Insulin-Signal. Trotz vermehrter Insulin-Freisetzung aus der Bauchspeicheldrüse, reicht die Hormonmenge nicht aus, um diese Insulinresistenz zu kompensieren. Glucose wird schlechter aufgenommen bzw. verwertet und verbleibt zunehmend im Blut. Der Blutzuckerspiegel bleibt erhöht.

Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel gelangt über die Placenta vermehrt Glucose in den Blutkreislauf des Fötus, wodurch dessen Bauchspeicheldrüse nun ebenfalls verstärkt Insulin produzieren und freisetzen muss. Da das Hormon neben der Blutzucker-regulierenden Wirkung auch die Fetteinlagerung in die Fettzellen begünstigt, kommt es sowohl bei der Mutter als auch beim Fötus zu einer übermäßigen Gewichtszunahme.

Welche Risiken gehen von einem Schwangerschaftsdiabetes aus?

Ein unentdeckter oder schlecht therapierter Schwangerschaftsdiabetes birgt Risiken sowohl für die Mutter als auch für das Kind.

Durch die überdurchschnittliche Gewichtszunahme des Fötus sind Geburtsgewichte jenseits der 4.000 g keine Seltenheit und erhöhen das Risiko von Geburtskomplikationen und Kaiserschnitt-Entbindungen. Im Verhältnis zum Körper bleibt die Entwicklung der Lungen zurück, während der Sauerstoffbedarf erhöht ist, was oft zu Atemproblemen nach der Geburt führt. Durch die erhöhte Insulinproduktion sind die Insulinspiegel im Fötus erhöht. Nach der Geburt fehlt die hohe Glucosezufuhr über die Placenta und das Neugeborene unterzuckert. Das Kind wirkt gereizt oder auch lethargisch.

Die Mutter ist während der Schwangerschaft anfälliger für Harnwegs- und Vaginalinfekte, wodurch das Risiko für Komplikationen wie eine Frühgeburt steigt. Gleichzeitig neigen viele diabetische Schwangere zu einem erhöhten Blutdruck oder entwickeln eine Präeklampsie.

Langfristig gesehen steigt bei einem Schwangerschaftsdiabeetes für Mutter und Kind die Wahrscheinlichkeit, in späteren Jahren einen ausgeprägten Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Viele Kinder leiden zudem bereits in ihrer Kindheit und Jugend unter Übergewicht, Bluthochdruck oder einem Metabolischen Syndrom.

Welchen Beitrag können intelligente Zucker bei einem Schwangerschaftsdiabetes leisten?

Ähnlich wie bei Typ-2-Diabetikern ist es auch während eines Schwangerschaftsdiabetes wichtig, den Blutzuckerspiegel weitestgehend zu stabilisieren. Dies bedeutet nicht nur, dass erhöhte Level bestmöglich gesenkt werden – was entweder durch eine Ernährungstherapie erfolgt oder gleichzeitig auch eine Insulintherapie erfordert – sondern auch dass Unterzuckerungen weitgehend vermieden werden. Statt gänzlich auf Kohlenhydrate bzw. Zucker zu verzichten, wird Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes daher empfohlen, Kohlenhydratquellen mit niedrigem glykämischen Index zu bevorzugen.

Niedrig glykämische Ernährung

Intelligente Zuckerarten besitzen im Vergleich zu herkömmlichen Zuckern wie Traubenzucker (GI = 100%) oder Haushaltszucker (GI = 65%) einen niedrigen glykämischen Index (GI):

  • Galactose: GI = 20%
  • Isomaltulose: GI = 32%
  • Tagatose: GI = 3%
  • Erythritol: GI = 0%
  • Trehalose: GI = individuell verschieden*

*Wie stark Trehalose den Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit erhöht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von der individuellen Aktivität des Trehalose-spaltenden Verdauungsenzyms Trehalase ab. Bei einigen kann der glykämische Index im niedrigen Bereich liegen, bei anderen etwa die Blutzuckerwirkung von Haushaltszucker aufweisen. Bei der ersten Verwendung von Trehalose empfiehlt es sich daher, die individuelle Wirkung auf den Blutzuckerspiegel durch mehrmalige Blutzuckermessungen zu testen.

Sie können damit helfen, die Zuckerbereitstellung für Mutter und Fötus zu sichern, ohne den Blutzuckerspiegel drastisch zu belasten. Intelligente Zucker wie Galactose, Isomaltulose oder Trehalose erhöhen den Blutzuckerspiegel weniger und erfordern eine geringere Menge Insulin. Hierdurch wird die Bauchspeicheldrüse entlastet. Galactose wird unabhängig von Insulin in die Zellen aufgenommen und versorgt diese auch bei einer Insulinresistenz mit Energie. Isomaltulose gelangt im Vergleich zu Haushaltszucker langsamer und gleichmäßiger in den Blutkreislauf, erhöht dabei den Blutzuckerspiegel nur geringfügig ohne Blutzuckerspitzen zu verursachen. Auch die in Trehalose enthaltene Glucose wird langsamer freigesetzt und resorbiert als freier Traubenzucker und führt dem Blutkreislauf gleichmäßig Glucose zu.

Unterzuckerung vermeiden

Nicht nur hohe Blutzuckerspiegel sind ein Gesundheitsproblem, sondern auch zu niedrige Glucosespiegel im Blut. Besonders bei Frauen, die aufgrund ihres Schwangerschaftsdiabetes Insulin spritzen müssen, kann es gelegentlich zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen. Dies kann geschehen, wenn ein Ungleichgewicht zwischen der injizierten Insulindosis und der verzehrten Kohlenhydratmenge besteht oder eine Mahlzeit gänzlich ausgelassen wurde. Besonders in der Nacht besteht die Gefahr, dass der Blutzuckerspiegel stark sinkt. Anzeichen für solche nächtlichen Unterzuckerungen sind durchgeschwitzte Kleidung, Alpträume, Schwierigkeiten beim Aufwachen und Müdigkeit trotz ausreichender Schlafdauer sowie hohe Blutzuckerwerte am Morgen.

Intelligente Zucker wie Galactose, Isomaltulose und Trehalose versorgen den Körper langsam, gleichmäßig und über einen längeren Zeitraum mit Zucker und wirken so wie eine Art Depotzucker in der Nacht. So kann z.B. ein Joghurt oder ein Quark mit einem Teelöffel Galactose und 1 Esslöffel Trehalose und einer Handvoll Nüsse vor dem Zubettgehen gegessen werden. Die Nüsse enthalten Fette, Eiweiß und Ballaststoffe, die die Aufnahme der Zucker noch weiter verlangsamen.

Gewichtszunahme normalisieren

Obwohl eine Gewichtszunahme während einer Schwangerschaft völlig natürlich ist, sollte sich diese zugunsten der Gesundheit von Mutter und Fötus in Grenzen halten. Normalgewichtige Frauen sollten möglichst nicht mehr als 16 kg über die gesamte Schwangerschaft zunehmen. Bei übergewichtigen Frauen (BMI 25-29) sollten es sogar nur 11,5 kg, bei adipösen Frauen (BMI ab 30) maximal 9 kg sein 4. Viele Frauen überschätzen den Mehrbedarf an Kalorien, den eine Schwangerschaft mit sich bringt. Bei einer normalgewichtigen Frau liegt dieser im 2. Schwangerschaftsdrittel bei etwa 250 kcal pro Tag und im 3. Trimester bei etwa 500 kcal pro Tag. Bei übergewichtigen und wenig aktiven Schwangeren ist der Mehrbedarf sogar noch deutlich geringer 5. Die falsche Annahme, bei einer Schwangerschaft nun „für zwei essen“ zu müssen bzw. zu dürfen, führt bei vielen Schwangeren zu starken Gewichtszunahmen, die auch das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes erhöhen bzw. dessen Verlauf verschlechtern.

Der kalorienarme Zucker Tagatose und der kalorienfreie natürliche Zuckeraustauschstoff Erythritol helfen, einen Teil der Zucker- bzw.- Kalorienmenge in Speisen und Getränken einzusparen.

Tagatose schmeckt ähnlich süß wie Haushaltszucker, wird jedoch nur zu etwa 20% resorbiert. Hierdurch liefert der Zucker deutlich weniger Kalorien als herkömmliche Zucker (1,5 kcal/g statt 4 kcal/g). Tagatose kann zum Süßen von Getränken wie Tee oder koffeinfreiem Kaffee genutzt werden. Auch beim Backen oder bei der Zubereitung von Desserts hilft der Austausch von Zucker gegen Tagatose, den Kaloriengehalt der Speisen zu senken.

Erythritol ist ein natürlicher Zuckeraustauschstoff ohne Kalorien, der keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Erythritol kann somit ebenfalls genutzt werden, um Zucker beim Kochen und Backen einzusparen und damit die Kalorienzufuhr zu beschränken. Erythritol süßt etwas weniger stark, so dass anstelle von beispielsweise 100 g Zucker etwa 130 g Erythritol verwendet werden müssen, um eine vergleichbare Süße zu erreichen. Da Erythritol kalorienfrei ist, keine Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel hat und auch in höheren Mengen noch gut verträglich ist, kann die verwendete Menge jedoch problemlos erhöht werden. Durch den leicht kühlenden Effekt auf der Zunge eignet sich der Zuckeraustauschstoff auch gut für Erfrischungsgetränke wie selbstgemachter Eistee. Mit Erythritol-Stevia kann Zucker in Rezepten auch direkt 1:1 ausgetauscht werden. Durch die Kombination von Erythritol mit dem natürlichen Süßstoff Stevia weist Erythritol-Stevia eine Haushaltszucker-gleiche Süßkraft auf.

Tagatose und Erythritol haben zudem einen sehr niedrigen bzw. gar keinen glykämischen Index. Der Blutzuckerspiegel wird somit nicht beeinflusst und erfordert keine Insulingabe.

Durch die gute Süßkraft von Tagatose und Erythritol-Stevia und teilweise auch von Erythritol eigenen sich diese Zuckervarianten auch, um den weniger süßen aber energiespendenden Zuckern Galactose, Isomaltulose und Trehalose mehr Süße zu verleihen. So kann z.B. ein selbstgemachter Früchtejoghurt oder Fruchtquark anstatt mit Zucker mit Isomaltulose und Tagatose gesüßt werden. Durch diese Kombination wird dem Körper gleichmäßig aber nicht zu viel Zuckerenergie zugeführt und gleichzeitig eine angenehme Süße erreicht, die weniger Kalorien liefert.


Quellen

  1. Catalano, P. M. et al. (1991): Longitudinal changes in insulin release and insulin resistance in nonobese pregnant women. Am J Obstet Gynecol 165 (6 Pt 1): 1667–1672.
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  2. La Barbour et al. (2007): Cellular mechanisms for insulin resistance in normal pregnancy and gestational diabetes. Diabetes Care 30 Suppl 2: S112-9.
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  3. Alfadhli, E. M. (2015): Gestational diabetes mellitus. Saudi Med J 36 (4): 399–406.
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  4. Kleinwechter, H. et al. (2014): Gestational diabetes mellitus (GDM) diagnosis, therapy and follow-up care: Practice Guideline of the German Diabetes Association(DDG) and the German Association for Gynaecologyand Obstetrics (DGGG). Exp Clin Endocrinol Diabetes 122 (7): 395–405.
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  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2015): D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neustadt an der Weinstraße: Neuer Umschau Buchverl. 2. Aufl.